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Hintergrund

Kooperative Zusammenschlüsse haben eine lange Tradition und finden sich schon früh in der Geschichte. So kann z.B. der Zusammenschluss der norddeutschen Kaufleute zur Hanse als eine solche Kooperation von Unternehmen betrachtet werden. Auch die Handelsnetze der Medici und Fugger waren erfolgreiche Zusammenschlüsse. Kooperationen können also auf eine ebenso lange wie erfolgreiche Geschichte zurückblicken.

In ihrer heutigen Form wurden Genossenschaften als einer speziellen Form der Kooperation in der Mitte des 19. Jahrhunderts unabhängig von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch gegründet, die beide die Idee der Kreditgenossenschaften verwirklichten.

Die mit der Bauernbefreiuung und der beginnenden Industrialisierung des 19. Jahrhunderts einhergehende wirtschaftliche Freizügigkeit und Eigenständigkeit war für die Landbevölkerung gänzlich neu und oftmals überfordernd. Die Menschen gerieten in Abhängigkeiten skrupelloser Wucherer und zunehmend in wirtschaftliche Not und Armut.

Als junger Bürgermeister nahm Raiffeisen diese Not deutlich wahr und fühlte sich verantwortlich für die Bevölkerung. Im Hungerwinter 1846/47 gründete er den "Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten". Von privaten Spenden wurde Mehl gekauft und in einem selbsterrichteten Backhaus Brot gebacken. Der "Brodverein", der 1849 ins Leben gerufene Flammersfelder "Hülfsverein" und der Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein von 1854 waren Zusammenschlüsse auf karitativer Grundlage. Sie waren die Vorläufer heutiger Genossenschaften. Raiffeisen erkannte bald, dass ein erfolgreicher Weg aus der Not mehr als diese Unterstützung sein muss. Es bedurfte einer Hilfe zur Selbsthilfe. Aus dem Wohltätigkeitsverein wurde sodann der Heddesdorfer Darlehnskassen-Verein - es entstand die erste ländliche Genossenschaft.

In ähnlicher Weise handelte Schulze-Delitzsch im städtischen Bereich. Beiden Ansätzen war dabei die wirtschaftliche Problemlage gemeinsam. Die nicht organisierten Bauern oder Kaufleute waren meist monopolistischen Anbietern oder Abnehmern ausgeliefert, die ihre Monopolposition nutzen konnten, um die Preise für die Produkte zu drücken bzw. überhöhte Preise für z.B. Saatgut zu verlangen. Diese Situation konnte dadurch aufgebrochen werden, dass sich die so benachteiligten zusammenschlossen und ihr eigenes Unternehmen zum Absatz oder zur Weiterverarbeitung ihrer Produkte oder zum Bezug der Vorprodukte gründeten.

Diese Idee, die wissenschaftlich erst über hundert Jahre später erschlossen wurde, liegt der Genossenschaft zugrunde. Menschen oder Unternehmen schließen sich aus einzelwirtschaftlichem Kalkül zusammen, um im Verbund miteinander bessere Ergebnisse zu erreichen und insbesondere, um einer Abhängigkeit in einer vertikal vor- oder nachgelagerten Wirtschaftsstufe vorzubeugen.

Die Raiffeisen-Idee ist heute weltweit verbreitet. In über 100 Ländern dieser Erde arbeiten mehr als 900.000 Genossenschaften mit über 500 Millionen Mitgliedern nach den Prinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen.